Titel: Esra`s Schnurrpi

Ein eine Romaze auf Vegania


Kapitel 1: Grau geboren, hart geschliffen

Käpt’n Korb wurde am 21. Februar 2995 in einer trostlosen Klinik in Alt-Germania geboren. Alt-Germania, ein grauer, farbloser Landstrich der alten Erde, war einst Heimat zahlloser Mythen, unter anderem jener von den „90 Grünen“ – einer Legende, nach der kleine grüne Männchen das Land im 21. Jahrhundert verwüstet haben sollen. Aus dieser Geschichte entstand ein Sprichwort, das niemand verstand, aber jeder kannte: „Verbünde dich nie mit 90 Grünen.“

Alt-Germainia auf der alten Erde
Alt Germania

Seine Mutter verstarb bei der Geburt. Sein Vater, Karl Korb, ein vom Krieg gezeichneter Gefreiter, kaufte das Kind aus der Klinik frei und ließ sich als Vater eintragen. Karl war ein dunkler Mann, voller Bitterkeit, Zynismus und geplatzter Träume. Er nannte den Jungen nie bei einem Vornamen – denn er hatte ihm keinen gegeben. Nur „Korb!“ schrie er durchs Haus, und der Junge musste antworten mit: „Jawohl, Captain!“ – auch wenn Karl nie einen solchen Rang bekleidet hatte. Es war seine bittere Sehnsucht nach Anerkennung, die er seinem Sohn aufzuzwingen versuchte.

Von frühester Kindheit an wurde Korb gedrillt. Kampfkunst, Waffentechnik, Marschdisziplin – Karl wollte aus dem Jungen einen Krieger formen, ein Erbe für eine Zukunft, die seiner Meinung nach nur mit Gewalt zu sichern war. Doch in Korb lebten zwei Seelen. Ja, er war stark, ja, er war schnell, ja, er lernte mit einer Entschlossenheit, die selbst Karl beeindrucken musste. Aber tief in ihm war auch ein anderer Korb: weichherzig, sanft, verspielt. Ein Junge, der nicht kämpfen, sondern umarmt werden wollte.

Kapitel 2: Der Mond der Schmach

Als Korb zehn war, wurde Karl aus der Armee unehrenhaft entlassen. Der Grund: ein brutaler Angriff auf einen friedlichen Mythelein, einen der „Blauhüte“. Karl verachtete sie. Mit den letzten SpaceCoins floh er mit seinem Sohn auf den abgelegenen Planeten RabbiataWhatcha – eine militarisierte Welt am Rand der Föderation. Auf dem Mond Rabbiata-W1 befand sich die härteste Kadettenschule des bekannten Universums.

Dort begann für Korb die Hölle. Er war klüger, schöner, schneller als die anderen. Und sie hassten ihn dafür. Korb wurde gedemütigt, geschlagen, verspottet. Die „Juck Grube“, ein ekelhafter, parasitenverseuchter Schacht zur Bestrafung renitenter Kadetten, wurde sein zweites Zuhause.

Doch Korb hielt durch. Aus Angst. Aus Pflicht. Und, ja, aus Liebe zu Karl. Eine Liebe, die er selbst nicht verstand. Vielleicht weil Karl ihn trotz allem aufgenommen, genährt und gelehrt hatte. Vielleicht, weil Kinder immer lieben, selbst wenn sie verletzt werden.

Kapitel 3: Der Bruch

Mit den Jahren jedoch begann etwas in ihm zu bröckeln. Er konnte das Gelaber über Rassenhass und Heldentum nicht mehr ertragen. Bei Kampfeinsätzen schoss er absichtlich daneben. Bei Übungen fehlte er. Er begann zu lesen, zu träumen, zu zweifeln. Ein Rebell inmitten von Kampfmaschinen.

3015 ergriff er die Flucht. Versteckt im Laderaum eines Schmugglerschiffes, das Waffen in die Föderation brachte, versuchte er sich zu retten. Doch der Frachter wurde aufgebracht. Korb landete im Gefängnis.

Es war Gurr Gurr, die mythische Lichtgestalt, der sein Schicksal veränderte. Gurr Gurr erkannte in Korb etwas Besonderes. Ein Rohdiamant. Gebrochen, aber nicht zerstört. Er schickte ihn nach Vegania – einen Planeten der Heilung, der Pflanzen, der Stille. Und dort, zwischen den Farnen, begann die wahre Geschichte von Käpt’n Korb.

Kapitel 4: Esra

Es war ein sonniger Tag im Jahr 3025, als Korb durch die weichen Farnhaine Vaganias wanderte. Dort sah er sie. Ein Wesen so schön, dass ihm die Luft wegblieb. Sie roch an den leuchtenden Blüten einer Sonaija-Pflanze, völlig versunken, ein Lächeln auf den Lippen, das Licht fangen konnte.

Er war überfordert, verlegen, voller Zweifel. Was sollte er sagen? Was, wenn sie ihn auslacht? Und doch, ganz in alter Manier, öffnete er den Mund und stammelte:

„Hey, schöne Elfe… was hat dich denn in den Wald getrieben?“

Sie erschrak. Sah ihn an. Und lächelte.

„Ich hab wohl gerade gewartet, dass ich hier mitten im Farnhain von einem rüpeligen Spacecowboy angemiezt werde.“

Korb errötete. Lachte. Und war verloren.

Sie legte sanft ihren Finger auf seine Lippen: „Pssst, großer Krieger. Verschrecke nicht die Lurpy Schnurrpis. Es ist Brutzeit.“

Er verstummte sofort. Alles in ihm war plötzlich weich und still. Es war, als ob ihre Berührung seine innersten Schichten auflöste.

„Dreh dich ganz langsam um und schau“, flüsterte Esra zärtlich und deutete mit einem Lächeln über seine Schulter.

Korb gehorchte. Langsam, mit der Präzision eines trainierten Kämpfers, bewegte er sich lautlos, vorsichtig. Eine Fähigkeit, die ihm einst im Drill eingetrichtert worden war – jetzt verwandelt in einen Moment der Ehrfurcht.

Was er sah, ließ ihn den Atem anhalten: Hinter ihm, in der Kürbis-Kolonie, wuselten unzählige kleine, flauschige Lurpy Schnurrpis – Hunderte! Sie rollten, schnurrten, wippten durch das leuchtende Grün der Kürbisfelder. Und mittendrin: winzige, piepsende Baby-Lurpis.

Korb war überwältigt. Sein Herz schmolz dahin. Alles Kriegerische in ihm fiel für einen Moment in sich zusammen, und zurück blieb nur Staunen.

Die Nähe von Esra, ihr süßer Duft, die sanfte Stimme – es war zu viel. Und doch: Es war genau das, was er gebraucht hatte.

Von da an war alles anders. Sie trafen sich jeden Tag. Wanderten durch Lavandiafelder. Redeten stundenlang. Korb erzählte ihr sein Leben. Esra hörte zu, voller Liebe, voller Mitgefühl. Oft weinte sie. Und doch sah sie in ihm das schöne Wesen, das er war. Sanft. Zerrissen. Liebenswert.

Sie nannte ihn zärtlich: Schnurrpi.

Kapitel 5: Abschied im Licht

Doch Korb spürte es längst: Etwas stimmte nicht. Esra wurde schwächer. Eines Tages sagte sie es ihm:

„Schnurrpi… ich bin sehr krank. Ich bin hier, um meine letzten Tage in Frieden zu leben.“

Er brach zusammen. Unter dem Lebensbaum, der bis in den Weltraum wuchs, weinte er bitterlich. Sie hielten sich. Sagten nichts. Nur die Sterne waren Zeugen.

Im Morgengrauen stand er auf, zitternd, entschlossen:

„Ich werde dich heiraten. Ich bleibe bei dir. Bis zum letzten Atemzug. Wenn du mich willst.“

Sie lachte, mit Tränen in den Augen. Und sie lebten. Lachten. Staunten. Bis zum Sommer 3034.

Esra starb in seinen Armen. Unter dem Baum. Die Lurpy Schnurrpis sangen leise. Und Korb schwieg. Für lange Zeit.

Kapitel 6: Der neue Anfang

Danach verließ er Vegania. Nicht, weil er fliehen wollte. Sondern weil er wusste: Esra wollte, dass er lebt. Dass er führt. Dass er heilt.

Gurr Gurr holte ihn zurück. Berief ihn in die Kadettenschule der Föderationsflotte. dort leistete Korb außerordentliches wegen seiner bereits vorhandenen Kampferfahrung und seiner Fähigkeit strategisch und Lösungsorientiert zu denken und zu arbeiten. Nicht ohne Grund wurde er: Käpt’n Korb der Ätzlprice.

Er führt sein Logbuch bis heute. Es heißt ESRA.

Und jeden Abend, wenn die Sterne funkeln und SCOTCH 0 Vol 2025 schnarcht, spricht er hinein:

„Hallo Esra… ich weiß, du hörst das nicht. Oder vielleicht doch.“


Nicht das Ende …


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